Wie definieren Sie „Vertrauen“?
Der Philosoph Konrad Paul Liessmann wartet in seinem Vortrag „Das Lenin-Paradox – Wem können wir in einer Kultur des Misstrauens noch vertrauen?“ mit einer Definition des Soziologen Niklas Luhmann auf. Dieser definiert Vertrauen wissenschaftlich, sachlichen und wertfrei als „Strategie zur Verringerung von Komplexität“.
Unternehmer: innen, die Ihren Mitarbeiter: innen, Berater: innen, Zulieferern etc. nicht vertrauen, müssen sehr viele Ressourcen einsetzen um entweder alles selbst zu machen oder zu kontrollieren. Die Komplexität nimmt zu, je größer ein System ist und umso aufwendiger bis unmöglich wird das Unterfangen, Vertrauen durch Kontrolle zu ersetzen. Systeme in denen nicht vertraut werden kann, reiben sich auf in Kontrolle und sind letztendlich dem Untergang verdammt. So das Resümee Liessmanns. Und weiter: Kontrolle ist gut, aber Vertrauen können ist besser.
Interessant ist ja, dass Konrad Paul Liessmann, der sich selbst als misstrauischen Menschen bezeichnet, über Vertrauen referiert. Hier trifft wohl der Spruch „Was man weiß, lebt man. Was man nicht weiß, lehrt man“ zu.
Zentral ist für mich die Aussage, dass Vertrauen nur dort ‚sinnvoll‘ ist, wo grundsätzlich Misstrauen auch angebracht ist.
Dort wo eben Enttäuschungserfahrungen vorhanden sind.
Das kann es nur mit Menschen geben und nur Menschen sind vertrauenswürdig.
Vertrauen in Technologien wie AI ist ‚sinnlos‘, denn Technologie kann nicht enttäuschen. Sie funktioniert oder funktioniert nicht. Am Beispiel AI tut sie das basierend auf Algorithmen und Wahrscheinlichkeiten.
Liessmann spricht den Umstand an, dass zunehmend auf den Menschen verzichtet und AI herangezogen wird, weil diese als vertrauenswürdiger und damit vorteilhafter angesehen wird. Weil der Mensch als fehlerhaft und unzuverlässig eingeschätzt wird, wird er ersetzt durch angeblich verlässliche Technologien. Doch auch die haben ihren Bias und sind fehleranfällig.
Fehler und Imperfektionen sind laut Liessmann genau das, was und als Menschen liebenswürdig macht. Er endet mit Platon, wonach Alles Schein ist und somit viel Nachdenken erfordert, festzustellen was wirklich ist.
Wohltuend war, dass Konrad Paul Liessmann seinen Vortrag genutzt hat, diverse Missverständnisse auszuräumen bzw. zu klären.
Beispielsweise dass Wissenschaft absolute Wahrheiten produzieren könne. Wissenschaft ist ein Prozess in dem Thesen so lange formuliert und bestätigt werden, bis sie im Prozess falsifiziert werden. So arbeitet Wissenschaft korrekt, so entsteht und entwickelt sich Wissen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind also immer nur ein momentaner Erkenntnisstand.
Vertrauen als Strategie zur Verringerung von Komplexität, ist gerade für Berater: innen wichtig. Wollen wir in unserer Arbeit zu einer Reduktion von Komplexität beitragen und damit Lösungen ermöglichen, braucht es eine Basis des Vertrauens. In uns und in sich selbst.
Denn Vertrauen erfordert ein sich trauen. Und gleichzeitig ermöglicht es den Mut etwas zu wagen, – beispielsweise wenn es um Veränderungen, Innovation oder Reform geht – und die Bereitschaft das Risiko einer Enttäuschung einzugehen.
Vertrauen ist in jedem Fall das Fundament der Beziehung zu unseren Kund: innen.
Dass der Austrian IT & Consultants Day der WKO/ubit unter dem Motto ‚Vertrauen‘ just zu einem Zeitpunkt stattfand, an dem sich der zunehmende Vertrauensverlust in die Institution WKO zu einer echten Krise zuspitzt, wurde von einigen Vortragenden aufgegriffen. Der WKO sei an dieser Stelle der Slogan der ubit angeraten: Zukunft braucht Innovation. Sprich: Erneuerung und Strukturreform.
AnnA wirkt begleitet und unterstützt Sie.
#Vertrauen #Mut #Mensch
Neueste Kommentare