„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte“ [1].

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer“ [2].

Haben Sie so etwas schon einmal gehört oder gesagt? Die beiden zeitlos erscheinenden Aussagen stammen von einer 5000 Jahre alten sumerischen Steinplatte und von Sokrates. In den vergangenen 5000 Jahren wurden immer wieder Zitate über Jugend- und Zukunftspessimismus festgehalten. Hat jemand Recht behalten?

In jedem Fall hat sich die Menschheit weiterentwickelt. Es war wohl immer schon „Job“ der jungen Generation, nicht eine Kopie der alten Generation zu sein, sondern etwas Eigenes zu wagen und durchzusetzen. Und immer schon musste sie dabei den Widerstand der alten Generation überwinden. Wie die junge Generation dies in den letzten 5000 Jahren wahrgenommen hat, ist nicht so oft auf teurem Pergament oder auf Steinplatten festgehalten worden. Wie ist das heute?

Im Rahmen der Millstätter Wirtschaftsgespräche 2026 wurden Ergebnisse einer Trendstudie „5 Jahre Jugend in Österreich“ präsentiert. Auch wenn in dieser Kurzfassung manche Information fehlte (was Repräsentativität oder Hintergrundinfos zu den Auswertungen angeht), waren doch einige Punkte bemerkenswert.

Erschreckend insbesondere, dass einer hoher Prozentsatz junger Menschen zwischen 13 und 29 Jahren Existenzängste hat. Was passiert, wenn sich die sog. „Junge Zukunftsmacht“ selbst ohnmächtig fühlt und vor der Zukunft fürchtet? Mit welchem Mut wollen diese jungen Menschen eigene Wege gehen, Neues wagen, Zukunft selbstbewusst gestalten? All das, was die ältere Generation – auch auf den mwg26 – für eine gelingende Zukunft einfordert. Müßig anzumerken, dass sie das selbst nicht immer leisten kann.

Wie soll denn die Zukunft ausgestaltet werden? Welche Zukunft möchte geschaffen werden? Gibt es „ein Bild“ von der Zukunft, auf das wir als Gesellschaft hinstreben? Wie schaut das in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus? An welchen Hebeln setzt die Gestaltung einer „jungen Zukunft“ an? Wie könnte es gehen, dass „Zukunft“ nicht immer älter wird?

Wer wird Zukunft gestalten? Demographisch bedingt „die Alten“, die ob ihrer Mehrheit über die Zukunft bestimmen. Demographisch bedingt werden „die Jungen“ immer mehr zur Minderheit, was demokratiepolitisch ein Problem ist/wird. „Die Jungen“ sind zu wenige und auch zu wenig in Entscheidungsprozesse eingebunden, um selbst mitbestimmen zu können. Eine Lösung könnte eine Art Minderheitenquote mit stärkerer Gewichtung der jungen Stimmen sein.

Wie „Empowerment“ der jungen Generation aussieht, zeigen Heinz Herczeg und Josef Ortner jährlich bei den Millstätter Wirtschaftsgespräche im Rahmen des joung career programm, heuer gekonnt ergänzt durch Matthias Erhardt: Einen direkten und offenen Austausch mit der älteren Generation herstellen um gegenseitiges Verstehen und voneinander Lernen zu ermöglichen. Und den jungen Talenten eine Bühne geben. Ist das reiner Altruismus? Oder Notwendigkeit um auch als Unternehmen bei Veränderungen in der Gesellschaft mithalten zu können? Was können „die Alten“ von „den Jungen“ lernen? Und umgekehrt?

Was braucht die ältere Generation um „zukunftsfit“ zu werden? Wie könnte das gehen?

Selbstreflexion ist immer ein guter Anfang. Es hilft schon sich selbst einzugestehen, wie sehr man von eigenen Erfahrungen und Erwartungen ausgeht; wie sehr man ent-täuscht ist, wenn das nicht funktioniert; wie schwer es uns fällt, „Altes“ loszulassen, auch wenn es längst nicht mehr „Bewährtes“ ist. Und wie schwer es uns fällt, zuerst uns selbst zu verändern und neue Zugänge zu entwickeln – damit es anderen und uns selbst besser geht.

AnnA wirkt begleitet und unterstütz Sie.

Quellen:

[1] Keller, 1989, ca. 3000 v. Chr., Tontafel der Sumerer

[2] Sokrates, 470-399 v.Chr.

Beide zitiert in: „5000 Jahre Kritik an Jugendlichen – Eine sichere Konstante in Gesellschaft und Arbeitswelt“, https://bildungswissenschaftler.de/5000-jahre-kritik-an-jugendlichen-eine-sichere-konstante-in-der-gesellschaft-und-arbeitswelt/

Fotos: © Tobias Klammer, Privat

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